• Themen: Kommentar
  • Datum: 08.01.2026

Sprache und Macht - Kritik an Antiziganismus in der BZ

Celle. Der Meinungsbeitrag „Behinderte, Ausländer, Zi[******]: Nicht die Sprache ist das Problem“ von Johannes A. Kaufmann in der Braunschweiger Zeitung reproduziert und unterstützt populistische, antiziganistische Narrative und gibt der Behauptung den Raum, dass diskriminierungssensible Sprache letztendlich das Gegenteil bewirke und Vorurteile verstärke – was eine der im Beitrag unreflektierten populistischen Erzählungen ist, die Machtverhältnisse stabilisiert und reproduziert. Das kritisieren wir als „Kompetenzstelle gegen Antiziganismus“.

Die Rolle von Sprache als unwichtig darzustellen, obwohl sie in der Realität eines der wichtigsten Instrumente des Populismus ist, um die Welt in einfache Schwarz-Weiß-Kategorien aufzuteilen und Menschengruppen zu hierarchisieren, ist paradox. So ist gerade Sprache die Trägerin, durch die „Wir“- und „Die Anderen“-Gruppen geschaffen werden, Machtverhältnisse reproduziert und vermeintlich legitimiert werden. Die Nutzung der rassistischen Fremdbezeichnung Zi****** ist, anders als im Meinungsbeitrag dargestellt, Ausdruck einer realen Diskriminierung der Sinti* und Roma*. Die Nutzung des Wortes verletzt und wertet ab und erhält eben jene Diskriminierung und die damit verbundenen Stereotypen und Mythen aufrecht, die die Diskriminierung reproduzieren. Das Z-Wort entstand weit vor dem Nationalsozialismus als eine Fremdbezeichnung, die der Gruppe der Sinti* und Roma* gegenüber abwertend gemeint war. Das Z-Wort entstand niemals als eine Selbstbezeichnung. Im Nationalsozialismus wurde das Z-Wort als Kategorie genutzt um Sinti* und Roma* und andere Menschen, wie z.B. sogenannte „Asoziale“, systematisch zu verfolgen und zu ermorden. Bis heute erhält das Z-Wort Diskriminierung und Machtverhältnisse zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft.

Im Meinungsbeitrag sagt Kaufmann: „Aber das Problem ist nicht, dass ein Wort wie Zi[******] von sich aus eine solche Ladung mitbringt, sondern dass es von Sprechern damit aufgeladen wird. Nicht das Wort Zi[******] ist die Beleidigung, sondern die Vorstellung, dass Angehörige bestimmter Volksgruppen stehlen und betrügen.“ Diese Behauptung impliziert viele Dinge auf einmal. Erstens macht es die betroffene Person, die die rassistische Fremdbezeichnung trifft, passiv. Die betroffene Person hat mit dieser Behauptung kein Mitspracherecht, die Bezeichnung einer Gruppe, die sie (die Betroffenen) angehören zu definieren und ihre Identität selbst zu schaffen und zu bestimmen. Es negiert einen langen Kampf um Anerkennung und Selbstbestimmung der Sinti* und Roma* und suggeriert, dass die Selbstbestimmung und Selbstbezeichnung unwichtig seien. Stattdessen suggeriert der Meinungsbeitrag, dass die Mehrheitsgesellschaft/die Dominanzgesellschaft ungefragt Minderheiten bezeichnen kann, wie es ihr gerade passt. Unabhängig von den damit einhergehenden Implikationen, wie der Verfolgungsgeschichte und fortdauernden Diskriminierung. Diese Erfahrung der Nutzung der Fremdbezeichnung kann für Betroffene eine sehr schmerzhafte und auch traumatische Erfahrung sein, weil sie mit real erfahrener struktureller Diskriminierung und Ausgrenzung einhergeht. Daher ist die Intention des Sprechenden dafür wie die Nutzung des Wortes bei Betroffenen ankommen kann, irrelevant.

Ein weiteres Problem der Behauptung Kaufmanns ist, dass Sprache scheinbar ahistorisch sei. Das Z-Wort hat, wie oben bereits ausgeführt, eine lange Geschichte von Diskriminierung, Ausgrenzung bis hin zur Vernichtung von Sinti* und Roma* im NS-Regime. Im Falle des Z-Wortes als Thema im gesellschaftlichen Diskurs über diskriminierungssensible Sprache kommt erschwerend hinzu, dass Antiziganismus in der Gesellschaft tiefverwurzelt ist und im öffentlichen Antidiskriminierungsdiskurs häufig vergessen wird oder zu kurz kommt.

Des Weiteren spricht Kaufmann in seinem Beitrag von einer vermeintlichen „Sprach-Polizei“ - ein populistisches Narrativ. Diese „Sprach-Polizei“ gibt es faktisch nicht. Das Wort ist allerdings ein gutes Beispiel um zu zeigen, wie der Populismus Sprache nutzt, um eben genau das zu tun, was Sprache vermag – Wirklichkeiten schaffen. 

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