• Themen: Kommentar
  • Datum: 18.09.2026

Rechtes Theoriekonzept bei Caren Miosga normalisiert

In der Ausgabe der Talkshow "Caren Miosga" vom 06.09.2026, direkt nach den Landtags-Wahlen in Sachsen-Anhalt, behauptete der Politikwissenschaftler Christian Stecker in der Talkshow, dass "Ethnopluarlismus" - ein Theoriekonzept der Neuen Rechten, das auch von der Identitären Bewegung vertreten wird - sei ein Teil des demokratischen Spektrums. Das wurde in der Sendung weder eingeordnet noch kommentiert. Das legitimiert und normalisiert ein extrem rechtes und menschenfeindliches Konzept. Wir, die Kompetenzstelle gegen Antiziganismus, kritisieren diese Aussagen und den Umgang damit deutlich.

Einordnung des Konzeptes der Neuen Rechten

Ethnopluralismus ist ein Konzept der sogenannten Neuen Rechten, die Nationen als Völker versteht und Völker in sogenannte „ethnokulturelle Gemeinschaften“ aufzuteilen versucht. Also ein völkisches Konzept, das auch, wenn es den Rassebegriff umschifft, inhaltlich auf das gleiche hinaus will. Denn: Wer ein Volk über einen vermeintlich gemeinsamen „ethnokulturellen Hintergrund“ definiert, schließt auch Menschen unvermeidlich aus dieser „ethnokulturellen Gemeinschaft“ aus. So wird Zugehörigkeit zu einem im Verständnis dieser Theorie benannten „Volk“ nicht über rechtliche Umstände wie Wohnsitz oder Staatsangehörigkeit definiert, sondern über einen „ethnokulturellen Hintergrund“.

Außerdem funktioniert die Grundidee des Konzeptes inhaltlich nicht, ohne sich auf pseudowissenschaftliche und rassistische Annahmen zu beziehen. Deshalb ist eine versuchte Distanzierung des Konzeptes von ihren rassistischen und völkisch-nationalistischen Implikationen sinnfrei.

Laut den Annahmen des Konzeptes würden bestimmte Menschengruppen nämlich grundsätzliche, allgemeingültige und unveränderbare Eigenschaften auszeichnen. Und genau das meint auch der Rassebegriff/der Rassismus definieren zu können. Dass Migration seit Jahrtausenden die Menschheitsgeschichte prägt und verschiedene Kulturen sich seit Beginn der Menschheitsgeschichte gegenseitig beeinflussen, ignoriert das Konzept vollständig. Mit dieser Erkenntnis wäre eine ethnokulturelle Gemeinschaft ja auch nicht möglich.

Normalisierung rechter Sprache und Narrative zur besten Sendezeit 

Für Politikwissenschaftler Christian Stecker scheint dieses Konzept jedoch nicht nur ein neurechter Neologismus/Euphemismus für den Rassebegriff zu sein, sondern ein vermeintlich legitimer Teil des demokratischen Spektrums. Das normalisiert die menschenverachtende und rassistische Basis, die dieser Theorie und ihren Schöpfer*innen zugrunde liegen und ist deshalb aufs Schärfste zu kritisieren. Vor allem in einer Gesprächsrunde, die sich zum Ziel gesetzt hat, zu klären, was Politik und Gesellschaft in Sachsen-Anhalt falsch gemacht oder übersehen haben, sodass die AfD ein solches Wahlergebnis erzielen konnte. Herr Stecker hat so exemplarisch gezeigt, wie die schrittweise Normalisierung von rechtsextremen Positionen im Mainstream in den vergangenen Jahren die AfD gestärkt hat. Dass er in einer ARD-Talkshow zur besten Sendezeit derartige Behauptungen unkommentiert aufstellen konnte, ist Teil dieses Prozesses.

Auch, wenn Christian Stecker sich mittlerweile über BlueSky entschuldigte und seine Absichten gerade zu rücken versuchte, ist doch der eigentliche Punkt, dass niemand seine Äußerungen in dieser Live-Sendung einordnete oder kommentierte. Auch der Faktencheck der ARD im Nachgang hilft in der Live-Ausstrahlung wenig, wenn die Zuschauenden sich erst im nachhinein selbstständig informieren können, ob das Gesagte richtig eingeordnet und faktisch korrekt war. Das reicht unserer Meinung nach nicht aus, der Normalisierung von rechten Narrativen und rassistischen, menschenfeindlichen Positionen entgegen zu wirken, erst recht nicht in Zeiten wie diesen.

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