Zunächst ist uns als Antidiskriminierungsprojekt und Projekt der politischen Bildung wichtig zu sagen, dass Gewalt nicht in den politischen Diskurs einer funktionierenden Demokratie gehört! Seit seinem Tod wird Kirk auch im deutschen Medien-Diskurs in einer Weise als Konservativer verharmlost und instrumentalisiert, die uns besorgt. Als Projekt das gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung und vor allem im Kontext von NS-Gedenkstätten arbeitetet, möchten wir diese Verharmlosung als solche benennen, diese korrigieren und darüber aufklären, dass Kirks Positionen und Aussagen zutiefst menschenfeindlich, rassistisch, misogyn, queerfeindlich und geschichtsrevisionistisch waren. Auch für den deutschen Diskurs stellt das eine Gefahr dar. Kirks Aussagen zu relativieren und als bloße Meinungsäußerungen zu verharmlosen, befeuert rechte Narrative und verbreitet die gezielte Hetze der Trump-Administration und Kirks. Kirk verglich bei einer seiner öffentlichen Veranstaltungen Abtreibungen mit dem Holocaust, behauptete Abtreibungen seien „schlimmer als der Holocaust“. So eine Aussage ist nicht konservativ oder rechtskonservativ, sondern menschenfeindlich, misogyn und geschichtsrevisionistisch – und eben rechtsextrem. Der Holocaust und der Porajmos war ein systematischer Genozid des nationalsozialistischen Deutschlands an Jüdinnen:Juden, Sinti* und Roma*, behinderten und kranken Menschen, queeren Menschen und politisch Verfolgten und anders Denkenden.
Diese Einordnung von Kirks Aussagen wird scheinbar nicht von allen deutschen Politiker*innen demokratischer Parteien geteilt. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach feierte Kirk in einem Instagram-Post als „Kämpfer für westliche Werte“. Der Post wurde inzwischen gelöscht. Es scheint also auch in der sogenannten demokratischen Mitte eine grundlegend andere Vorstellung darüber zu geben, was auf dem Spektrum von links nach rechts wie zu bewerten ist und ab wann Aussagen Hetze, Hass und Unwahrheiten sind. Wer, wie Kirk, schwarze Frauen als unintelligent abwertet bzw. ihre „geistigen Fähigkeiten“ infrage stellt, darf keinesfalls als Gallionsfigur der Konservativen oder als Retter einer angeblich fehlenden Debattenkultur geframt werden. Die Zeitung WELT schreibt dazu in einem Meinungsbeitrag: „Die CDU-Abgeordnete Caroline Bosbach lobt Charlie Kirks Bereitschaft zur Diskussion mit dem politischen Gegner. Dass sie ihren „umstrittenen“ Post darauf wieder löscht, zeigt, wie sehr genau diese Bereitschaft in Deutschland fehlt.“ Derselbe Mensch (Kirk), der in diesem Zitat als ein Verfechter des demokratischen Diskurses dargestellt wird, postete am 5. Januar 2021 bei X/Twitter: „Sending 80+ buses full of patriots to DC to fight for this president.“ – am 6. Januar geschah der Sturm auf das Kapitol, dessen Ziel es war eine demokratische, freie Wahl zu delegitimieren.
Vielmehr zeigt die Debatte um Kirk also, dass die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der letzten Jahre die öffentliche Debatte im Mainstream immer weiter nach rechts rückt, so dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, jeder Rassismus, Antifeminismus, Queerfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus immer mehr Einzug in die öffentliche Debatte und Meinung erhalten. Und das finden wir sehr besorgniserregend.
Quellen:
Vollständiger Post von Caroline Bosbach: www.gruene-bergischgladbach.de/allgemein/wofuer-steht-die-cdu-klaerungsbedarf-nach-aeusserungen-von-caroline-bosbach-zu-charlie-kirk/
WELT-Meinungsbeitrag: www.welt.de/debatte/plus68c6917a7ecf6b1bfe3e472e/Charlie-Kirk-Was-fuer-Gruene-Extremismus-ist-ist-fuer-andere-Normalitaet.html
Charlie Kirks Aussagen:
Aussage über schwarze Frauen: x.com/alluring_nyc/status/1965931096539017536
Post vor dem Sturm auf das Kapitol: www.dailydot.com/news/charlie-kirk-delete-tweet-buses-capitol/