Nach einer Einführung durch Katrin Unger, stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, präsentierte Historikerin Erkenbrecher die Ergebnisse ihrer Forschung zur strafrechtlichen Verfolgung, Entschädigung und erinnerungspolitischen Rezeption des von der Waffen-SS am 10. Juni 1944 verübten Massakers im französischen Dorf Oradour-sur-Glane. 643 Frauen, Männer und Kinder wurden von den Deutschen ermordet, das Dorf zerstört.
Die Ruinen sind seitdem ein Mahnmal, das Dorf wurde in unmittelbarer Nähe nach dem Krieg wieder aufgebaut. Während man im Ort selbst dem Gedenken an die furchtbaren Verbrechen nach wie vor einen hohen Stellenwert beimisst, rückte es auf offizieller Ebene zu Gunsten der neuen deutsch-französischen Freundschaft eher in den Hintergrund. In Deutschland wollte man davon ohnehin wenig wissen und die Täter wurden strafrechtlich nie angemessen verfolgt. Erst 2024 drückte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Staatsbesuch seine Beschämung darüber aus, dass der deutsche Staat die Täter unbehelligt ließ. Erkenbrecher nahm die eingangs erwähnte Frage, ob man als Deutscher Oradour besuchen dürfe zum Anlass, auf das zu verweisen, worum es Überlebenden generell zumeist geht: Um die Anerkennung, dass Unrecht getan und des Leids, was damit angerichtet wurde.
Andrea Erkenbrechers historische Studie ist unter dem Titel „Oradour und die Deutschen. Geschichtsrevisionismus, strafrechtliche Verfolgung, Entschädigungszahlungen und Versöhnungsgesten ab 1949“ ist 2023 im Verlag deGruyter-Oldenbourg erschienen und im Buchhandel erhältlich.
