In der Gedenkstätte Bergen-Belsen melden sich regelmäßig Angehörige ehemaliger Häftlinge, die Informationen suchen oder auch Gegenstände für das Archiv übergeben möchten. Für die Kolleg*innen der Abteilung „Forschung und Dokumentation“ ist dies ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Am vergangenen Freitag besuchte Yael Atzmon, Enkelin der Bergen-Belsen-Überlebenden Sara Atzmon, gemeinsam mit ihrer Partnerin die Gedenkstätte.
Yael Atzmon hat die Erinnerungen ihrer Großmutter zusammen mit dieser als Buch veröffentlicht, auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel „Und ich habe doch gesiegt!“ erschienen. Die Enkelin, die wie ihre Großmutter in Israel lebt, war anlässlich einer Lesereise in Norddeutschland und nutzte die Gelegenheit, um ein mit Widmung versehenes Exemplar des Buches persönlich der Gedenkstätte zu übergeben. Für die inzwischen 92 Jahre alte Sara Atzmon wäre eine Reise wie diese zu beschwerlich, daher war sie nicht persönlich mit vor Ort. Die Historikerin Katja Seybold nahm das Buch stellvertretend für die Gedenkstätte entgegen und beantwortete Fragen der sichtlich bewegten Besucherin. Außerdem zeigte sie Kunstwerke, die Sara Atzmon dem Archiv übergeben hat und 2010 in einer Ausstellung mit Kunstwerken von weiteren ehemaligen Häftlingen präsentiert wurden. Darunter befindet sich die Tuschezeichnung „Der Davidstern Beschützt Uns Nicht“, die 2000 als Eisenskulptur realisiert wurde.
Sara Atzmon wurde 1933 als Hedvig Gottdiener in Debrecen (Ungarn) geboren. Über verschiedene Arbeits- und Durchgangslager kommt sie schließlich in das KZ Bergen-Belsen und wurde noch in den letzten Tagen vor der Befreiung des Lagers von der SS auf einen von insgesamt drei Räumungstransporten verschleppt. Der Zug, in dem sie sich befand, wurde am 13. April 1945 bei Farsleben in der Nähe von Magdeburg befreit. Im gleichen Jahr wanderte sie ins damals britische Mandatsgebiet Palästina aus und gründete dort eine Familie. Lange Zeit vermied sie eine Auseinandersetzung mit der erlebten Verfolgung durch die nationalsozialistischen Deutschen. Erst nach einem Besuch in Ungarn in den 1980er Jahren änderte sich dieses und sie begann, sich als Künstlerin mit dem Holocaust auseinanderzusetzen, auch über Kunstobjekte ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Seit den 1990er Jahren werden ihre Werke in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt.
Informationen zum Buch
Das Buch "Und ich habe doch gesiegt!" von Sara und Yael Atzmon ist für 12 Euro vor Ort im Buchshop der Gedenkstätte Bergen-Belsen erhältlich. Online gibt es weitere Informationen auf der Seite des Verlags.

